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Archiv der Kategorie Einkaufsfrust

Ich hasse Softcups

Jetzt bin ich schon seit bestimmt zehn Jahren nicht mehr schwimmen gegangen. Genau seit der Zeit nicht mehr, als ich in kurzer Zeit fast 20 Kilo zugenommen hatte. Mittlerweile bin ich ja wieder wesentlich schlanker, aber der Grund, warum ich nicht schwimmen gehe, ist immer noch der gleiche.

Nein, ich schäme mich nicht, weil ich nicht mehr so schlank bin wie früher. Das habe ich nie getan und ich brauche es auch nicht, denn ich  habe schon wieder eine hübsche Figur, bis auf ein bisschen Speck in der Bauchgegend.

Das Problem ist die Badebekleidung. Aus dem Alter, um noch Bikinis zu tragen, bin ich nämlich heraus. Ich hätte schon immer lieber Badeanzüge getragen, aber ich habe eine ziemlich große Oberweite. So hatte ich bisher Bikinis gekauft, bei denen man Höschen und Oberteile einzeln kaufen kann, und auch immer etwas passendes gefunden. Aber ich finde, für einen Bikini sieht der Bauch nun nicht mehr schön genug aus.

Klar, der Busen ist einer meiner Pluspunkte, aber ich müsste obenherum  einen Badeanzug Größe 42 oder 44 tragen, je nachdem, wie er geschnitten ist. Unterhalb des Busens hätte ich dagegen Größe 38. Die einzigen Badeanzüge, die auch in 38 noch über die Oberweite passen, sind solche im Surfer-Style mit Unterbrustband, oder die Modelle, wo die Körbchen mit einem Ring zwischen den Brüsten gerafft werden.

Eigentlich dürfte es also kein Problem sein, einen Badeanzug für mich zu finden, wenn……

Ja, wenn es die verdammten Softcups nicht gäbe. Seitdem diese elenden Push-up-BHs angesagt sind, ist in jedem Badeanzug oder Bikini so ein Softcup drin. Das ist ein vorgefertigtes Körbchen, das oft auch noch leicht gepolstert ist. Mag ja sein, dass so ein Modell bei einer  Frau mit Minibusen oder bei einer, bei der alles hängt, besser aussieht als ein ungefüttertes Modell. Ich brauche die nutzlosen Dinger nicht, mein Busen kann die Körbchen auch allein ausfüllen, es muss dabei nicht unterstützt und geformt werden.

Bei mir sehen Softcups aus, als ob ich zwei Blumentöpfe übergestülpt hätte. Mit Körbchengröße E ist das ganz unvorteilhaft. Man trägt seinen Busen nach vorne ausladend vor sich her.  Wie einen Balkon. Wenn man geht, ist es, als ob eine Fregatte vorbeisegelt. Grauenhaft. Leider kann man die Cups auch nicht heraustrennen, ohne das Oberteil zu verderben. Ohne Softcups würden mir die Körbchen wahrscheinlich richtig passen.

Ärgerlicherweise sind selbst in den sportlichen Badeanzügen meistens welche eingearbeitet. Man findet gar keine Modelle mehr ohne. Und wenn, dann nur Teenie-Modelle. Jahrelang habe ich versucht, einen Badeanzug zu finden, aber selbst in der Hochpreis-Kategorie nichts gefunden.

Vor vier Wochen habe ich einen Wenz-Katalog mit Bademoden bekommen. Es sind mehrere schöne Modelle darin abgebildet, aber kein einziges ohne Softcups. Auch im Internet habe ich bei all den abgebildeten Badeanzügen keine ohne Softcups gefunden. So ein Ding trage ich auf keinen Fall. Ich erinnere mich noch mit Grauen an meine Anprobe von so einem Ding:

Vor zwei Jahren hatte ich nach langer Suche endlich einen Badeanzug in Gr. 38 mit E-Körbchen entdeckt und ihn anprobiert. Das Modell sah ganz gut aus. Schwarz, mit tiefem Rücken- und hohem Beinausschnitt. Also nicht so ein Omateil. Er passte um Bauch und Po wie angegossen und die Körbchen waren auch groß genug. Leider waren auch in diesem Anzug solche steif abstehenden Softcups und - das war das Härteste - Vorderteil mit Bauch-weg-Effekt, was die Vorderpartie flacher machen sollte. Als ich es angezogen hatte, bekam ich die Krise.

Anstatt vorteilhaft sah ich damit potthäßlich aus. Einfach grauenhaft. Ich kam mir vor wie eine 90-Jährige. Durch den Bauch-Weg-Effekt wurde der Bauch plattgedrückt wie von einem Panzer. Das bisschen Speck, was am Bauch schon gar nicht mehr doll auffällt, wurde nach unten und zur Seite gedrückt und schaute dafür aus dem hohen Beinausschnitt heraus. Tatsächlich - Bauch weg! Toll!!

Das Oberteil war so steif, als hätte ich einen Schaumgummibusen aus dem Karnevalsbedarf vorgebunden. Die Träger saßen viel zu weit außen, so als ob sie für ganz speckige runde Schultern berechnet wären. Sie rutschten bei jeder Bewegung. Mit so einem Ding hätte ich nicht schwimmen gehen können.

Ich gab also die wochenlange Suche auf und bin nie mehr schwimmen gegangen. Mein größter Wunsch ist es nun, im Urlaub endlich wieder mit meinem Mann ins Schwimmbad zu gehen. Ich werde also in den nächsten Wochen meine verzweifelte Suche wieder von vorne beginnen.

Hoffentlich erscheint bald eine gute Fee und hängt mir ein paar sexy Badeanzüge ohne Softcups in den nächsten Dessousladen.

Shopping-Tour des Grauens

Manchmal frage ich mich, ob die Bekleidungsindustrie Tomaten auf den Augen hat, weil sie bestimmt ein Drittel der Frauen beim Planen der Kollektionen vergisst. Oder wie ist es sonst möglich, dass in allen Geschäften massenweise hübsche Kleidungsstücke in S oder XS hängen, aber nur ganz vereinzelt welche in M, L oder gar XL? Wenn etwas in großen Größen da ist, dann ist es meistens so ein Oma-Teil in gräßlichen Farben, hat einen Walla-Walla-Schnitt und ist aus billigstem Material.

Gibt es in Deutschland nur noch “Topmodels” und Victoria-Beckham-Doubles, oder hat die Lobby der Schönheits-Chirurgen und Diätpillen-Hersteller die Bekleidungsmafia  heimlich bestochen, damit wir uns verzweifelt in die Arme der ganzen Abspeck- und Absaugspezialisten stürzen? Ich jedenfalls finde es nicht normal, bei einer Kollektion von Blusen oder Shirts gleich am ersten Verkaufstag ungefähr zwanzig mal Größe XS und S zu finden, aber kein einziges Teil in einer größeren Größe. Oft leider nicht mal in M. Genauso ist es beim Schlussverkauf oder im Outlet. Da muss man auch gertenschlank sein, um was zu finden.

Das bedeutet doch wohl, dass alle diese niedlichen kleinen Teilchen keine Käuferin gefunden haben, während die vereinzelten großen Teile gleich gierig vom Kleiderständer gerissen wurden. Es bedeutet, dass es eine Menge Frauen gibt, die so ein Kleidungsstück in M, L oder XL brauchen, leider aber leer ausgehen, weil das einzige Stück in ihrer Größe schon weg ist. Und es bedeutet, dass es nicht so viele schlanke Frauen gibt.

Frau lernt also, blitzschnell zu sein, damit sie die erste am Kleiderständer ist und noch eine Chance hat, etwas Hübsches zu erwischen. Moppels können sich nämlich genau so schnell bewegen wie Dünne. Hat die Ärmste trotzdem mal wieder kein Glück, kauft sie vielleicht notgedrungen so einen bayrischen Bierzelt-Ersatz, in dem sie aussieht wie Callis Großtante. Oder sie zieht ein noch einigermaßen gut erhaltenes Teil vom Vorjahr, Vorvorjahr oder dem letzten Jahrtausend an, weil es immer noch besser aussieht als ein Satinhängerchen in Leberwurstrosa, Leichengrün oder Quietschorange.

Es gibt auch einige Frauen, die eigentlich zu dick für Größe S oder M sind, und sich trotzdem aus Verzweiflung in so ein enges Teil hineinquetschen. Dann tragen sie zwar die neueste Mode, sehen aber aus wie Tamara, die tanzende Fleischwurst.

Das habe ich erst gestern wieder festgestellt, als ich etwas fetziges für die Ü30-Party gesucht habe. Ich habe mir einen Wolf gesucht und bin stundenlang durch die Geschäfte getigert. Nur vereinzelt fand ich ein paar schöne Teile in Größe M oder L. Dabei konnte ich die anderen Frauen beobachten, die aus ihren Kabinen kamen und sich vor dem Spiegel drehten. Die meisten waren dicker als ich, nur eine einzige Frau war schlank. Und nur die letztere hatte keine Probleme, passende Kleidung zu erwischen.

Es gab auch noch eine andere Sache, die mir aufgefallen ist. Eigentlich habe ich bei Oberteilen Größe 40/42, daher müsste ich zumindest in Größe L hineinpassen. Tue ich aber oft nicht mal annähernd. Manchmal sind die Sachen so knapp, dass ich wahrscheinlich auch mit XL nicht klargekommen wäre, wenn es das denn geben würde. Bei vielen Marken ist L nämlich das höchste der Gefühle.

Nach langer Suche fand ich dann doch noch ein schönes nachtblaues Shirt mit betonter Taille und tiefem Ausschnitt, aber ich war total genervt. Kleidung kaufen gehört definitiv nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Es ist der blanke Horror!

Ich bin ja wirklich nicht dick, sondern nur etwas kurvig, aber trotzdem finde ich es wahnsinnig schwierig, schöne Kleidung zu finden. Wenn ich also immer wieder lese, wie Manager von Bekleidungsfirmen und Inhaber von Modegeschäften klagen, ihre Verkaufszahlen wären nicht so gut wie erwartet, dann kann ich nur sagen: Selbst schuld, Jungens!

Ihr könntet richtig fette Kohle machen, wenn ihr mal dran denken würdet, dass die weibliche Bevölkerung aus unterschiedlichen Frauen besteht. Nicht nur aus Models. Alle Frauen haben das Recht auf hübsche Kleidung, nicht nur die ganz schlanken. Auch Frauen mit rundlicheren Figuren verdienen Geld und möchten es gerne ausgeben. Und zwar für Sachen, in denen sie hübsch aussehen, und nicht für Textilschrott im Schlabberlook.

Jede Frau kann sexy aussehen, wenn sie etwas trägt, dass ihre Pluspunkte zur Geltung bringt. Flatterhemden mit Kittelschürzen-Muster oder Polyesterblusen mit Klatschrosen, billigem Flockprint oder einer albernen Glitzeraufschrift tun das ganz sicher nicht.

Also, liebe Bekleidungshersteller: Gebt euch mal ein bisschen Mühe, dann klingelt auch die Kasse! Das gilt auch für euch, verehrte Chefeinkäufer. Bestellt zur Abwechslung mal ein paar Teile in Größen, die gebraucht werden. Dann braucht ihr euch auch keine Sorgen um die Zukunft mehr zu machen.

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