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2.1.2010 von Lumpazi.
Hallo liebe Tierfreunde,
sicher habt Ihr mich schon total vergessen, weil ich so lange nichts von mir hören ließ. Oder Ihr wisst doch noch, wer ich bin und dachtet, Moosi hätte mich im Tierheim abgegeben. Aber das hat sie nicht.
Etwas anderes viel schlimmeres ist mir passiert. Etwas, wovon ich immer gedacht habe, dass es richtig gut wäre. Besser gesagt, die Erfüllung meiner schönsten Träume. Ihr ahnt es schon - ich habe endlich das bekommen, was ich mir die ganze Zeit gewünscht habe: Ein süßes Leben mit leckerem Essen, einem bequemen Sofa und vielen kuscheligen Kissen und Decken. Ganz für mich allein! Aber ein altes Sprichwort sagt: Überlege gut, bevor Du einen Wunsch aussprichst, denn er könnte in Erfüllung gehen. Und so war es auch. Diese verflixte Sternschnuppe!!
Bis zum Urlaubsende war alles wunderbar, obwohl ich damals dachte, ich würde von Moosi sehr schlecht behandelt. Wir waren nämlich in den Ferien im Allgäu, zum Bergwandern. Für einen Schweinehund wie mich ist das natürlich der blanke Horror und Moosi wurde in diesen zwei Wochen auch immer dünner, obwohl sie gefuttert hat wie ein Weltmeister. Da bekam ich schreckliche Panik und sah in Gedanken schon mein baldiges Ableben kommen.
Eine Woche später saß ich gemütlich auf meiner bevorzugten Gartenliege und sah in den Abendhimmel. Plötzlich erschien eine Sternschnuppe. Ich ergriff blitzschnell die Gelegenheit und wünschte mir, endlich wieder mein altes, gemütliches Leben zurückzubekommen. Und - ich könnte mich jetzt noch vor Ärger in meinen Ringelschwanz beißen - ich bekam es auch.
Moosi bekam nämlich drei Tage später die Kündigung von ihrem Job und war total deprimiert. Sie hatte zwar schon seit Monaten gewusst, dass ihr Arbeitsplatz bald eingespart werden musste, aber sie hatte erst zum Jahresende damit gerechnet. So machte sie in den letzten vier Arbeitswochen viele Überstunden, um alles ordentlich zu übergeben. Ich durfte die ganze Zeit im Garten liegen und mich sonnen. Und Moosi teilte eine Menge Schokolade und Pinacolada-Eis mit mir. Es war wie im Paradies.
Danach hat Moosi einen Englischkurs in der Berlitz-School in Wuppertal gemacht. Sie wäre gerne mit mir Gassi gegangen, aber sie musste jeden Abend und auch am Wochenende stundenlang am PC sitzen und üben. Sie konnte nämlich noch nicht so viel Englisch wie die anderen im Kurs und musste viel nachholen, weil sie zwei Level höher eingestiegen ist, als das Testergebnis vorgeschlagen hatte. Sonst wäre sie in den drei Monaten nicht bis zur letzten Stufe gekommen. Also hatte sie für ihren Sport keine Zeit. Ich war natürlich froh darüber, schließlich ist es auf dem Sofa viel gemütlicher.
Abends hat unser liebes Herrchen immer was leckeres mitgebracht, wenn er nach Hause kam, Moosi hatte nämlich keine Zeit mehr zum Kochen. Das war alles äußerst lecker und ich habe ein wunderschönes rundes Bäuchlein bekommen. Tagsüber habe ich Moosi auch in die Schule begleitet. Das war ein ganz übles Institut. Man durfte dort nämlich in den Klassenräumen und dem PC-Raum nichts essen, und es gab keinen speziellen Pausenraum. Einfach barbarisch!
In ihrem Kurs waren ganz viele nette Leute, und alle hatten einen Schweinehund. Für uns gab es im Klassenraum eine breite Fensterbank, auf der ich mit den anderen Viechern bequem herumliegen und in die Fußgängerzone hinab sehen konnte. Natürlich gründeten wir gleich eine Gewerkschaft für Schweinehunde und setzten energisch unsere Rechte durch. So kam ich dann doch noch zu meinem Mittagessen. Lauter gute Sachen: Döner, Burger, Lachsrösti, Ente mit Satésauce, Sushi, Pizza, Curry-Pommes rot-weiß und noch mehr leckere Mahlzeiten.
Nach dem Kurs glänzte mein Fell wie Seide und Moosi war wieder wunderschön rund und wohlgeformt. Aber sie freute sich kein Stück, das dumme Ding! Sie grummelte und war schlecht gelaunt. Dabei hat sie doch eine Eins auf ihrem Englisch-Zertifikat. Ist das etwa kein Grund zum Strahlen? Verstehe einer die Frauenzimmer. Denen kann man auch gar nichts recht machen!
Ende November wurde dann zuerst das Herrchen und danach auch Moosi ziemlich krank. Sie hatten aber keine Schweinegrippe, daher haben sie mich nicht angesteckt. Es war bloß ein normaler Grippevirus. Bestimmt kam das von ihrer schlechten Laune. Grippeviren lieben das.
Leider wurde ihre Stimmung auch nicht besser, als das Fieber wieder weg war. Dabei hatte sie doch allen Grund zur Freude. Gleich vier Vorstellungsgespräche in anderthalb Wochen hatte sie ergattert. Moosi hätte jubeln müssen, doch was tat sie? Sie stand fluchend vor dem Kleiderschrank und pfefferte wütend ihre Röcke und Hosen in die Ecke. Die passten nämlich fast alle nicht mehr.
Als ich sie trösten wollte, jagte sie mich aus dem Zimmer und nannte mich “blöder Köter”. Darauf versuchte ich mich wieder einzuschmeicheln und bat Moosi, ein bisschen mit mir Gassi zu gehen. Das war ein Fehler, denn jetzt wurde ich erst richtig angepfiffen. Sie hätte keine Zeit für Gassi. Sie dürfte jetzt erstmal in ihren ollen Klamotten kramen und auch noch einen neuen Rock kaufen. Ich solle endlich machen, dass ich verdufte. Frauchen war richtig böse. Ich kniff traurig mein Ringelschwänzlein ein und trottete zu meinem Sofa. Langsam kam mir eine Ahnung, dass mein Wunsch vielleicht ein bisschen voreilig war.
Um Weihnachten war Moosi dann völlig ungenießbar, weil sie sich Sorgen um ihre Mama machen musste. Die ist nämlich krank und muss ins Krankenhaus. So hatte ich auf einmal niemanden mehr, der sich um mich kümmerte. Was nützt das schöne Sofa, wenn ich ganz allein drauf liegen muß? Und auch die leckeren Weihnachtsköstlichkeiten haben mir gar nicht geschmeckt. Ich musste immer daran denken, wie Moosi mit traurigem Gesicht vor dem Spiegel gestanden hat. Warum freut sie sich denn nicht über ihren hübschen runden Bauch? Sie ist wirklich ein merkwürdiges Frauchen. Jetzt bereute ich meinen voreiligen Wunsch ganz bitterlich, denn mein Leben ist ganz und gar nicht mehr herrlich. Da hilft das beste Essen und das kuscheligste Sofa nichts.
Nun ist das neue Jahr gekommen und Moosi hat die Gelegenheit ergriffen, mich ordentlich am Fell zu zauseln. Sie will wieder durchstarten, hat sie gesagt. Dann hat sie mir eine Strafpredigt gehalten. Sie hat mit langen Joggingrunden und dem Sado-Maso-Studio von Helmut gedroht. Bei Winterwetter will sie lange Schneewanderungen machen und Löcher in den Wald stechen. Nordic Walking heißt das.
Wißt Ihr was? Ich habe mich gefreut. Ich habe so getan, als ob ich ganz zerknirscht bin. Aber ganz insgeheim bin ich sooo erleichtert, dass sie nun wieder lächelt und sich mit mir beschäftigt. Ich glaube, sie hat mich wieder lieb.
Bei der nächsten Sternschnuppe bin ich vorsichtiger. Oder ich überlege ein paar Tage vorher, was ich mir wünsche und warte auf die nächste Schnuppe. Aber so was wie beim letzten Mal, das mache ich nie, nie wieder. Ehrlich.
Euer Lumpazi
PS: Seid vorsichtig, wenn Ihr eine Sternschnuppe seht!
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9.1.2009 von Moosi.
Nach der langen Schreibpause, die ich gezwungenermaßen eingelegt hatte, kommen nun also die Notizen der letzten zwei Monate aus meiner Kladde ans Tageslicht, die ich für die Zeit vom 9.11.08 bis zum 21.12.08 gemacht habe:
Auch wenn ich in den letzten Wochen ziemlich vor mich hin gekränkelt habe, schäme ich mich doch, dass Lumpazi mich so leicht überreden konnte, nicht mehr auf das Gewicht zu achten. Zuerst hatte ich eine schlimme Erkältung und war viel zu schlapp, um noch Sport zu machen. Deshalb hatte ich meine Bewegung auf Spaziergänge und ein paar Übungen mit dem Theraband beschränkt. Ich war abends wirklich froh, wenn ich meine Ruhe hatte.
Anschliessend bekam ich auch noch einen sehr unangenehm juckenden Ausschlag. Na ja, wenigstens waren es keine Windpocken oder sonst so etwas unangenehmes, sondern eine Allergie. Ich habe ausgesehen wie Krätze-Luzie. Das verschriebene Cortison ist mir auch nicht gut bekommen, ich bin aufgequollen wie ein Schwamm und habe einen Fressanfall nach dem anderen bekommen. Ich habe mich schlapp und schwindelig gefühlt und hatte dann auch keine Motivation mehr, mich sportlich zu betätigen.
Eigentlich hätte ich mich zusammen reissen müssen. Etwas mehr Bewegung und etwas weniger Essen hätten mir gut getan. Leider war ich aber zu schwach und habe mir nicht genug Mühe gegeben. Das hat mir eine kräftige Gewichtszunahme beschert und ich habe mir vorgenommen, mir nun wieder mehr Mühe zu geben. Die Weihnachtszeit werde ich noch genießen, aber ich werde versuchen, nicht all zu sehr zu schlemmen. Im neuen Jahr starte ich dann wieder richtig durch, damit dieser blöde Schweinehund nicht am Ende der Sieger ist.
Ich werde mich bessern. Ganz bestimmt!
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13.1.2008 von Moosi.
Wisst Ihr, was ich mich schon seit längerer Zeit gefragt habe? Was zum Teufel hält mich ständig davon ab, meinen Hintern hochzukriegen, wenn ich mir mal etwas vorgenommen habe? Und zwar bei allem, was ein wenig Anstrengung erfordert?
Sehr oft, wenn ich mir etwas vorgenommen habe, fehlt mir die Energie und ich gebe auf, oder ich lasse es gleich ganz. Deshalb habe ich mich in den letzten Tagen genau beobachtet, und jetzt habe ich tatsächlich herausgefunden, worin mein Problem besteht. Und was habe ich entdeckt?
Es gibt da etwas in meinem Inneren, das mich ständig dazu verleitet, den bequemsten Weg zu gehen. Und zwar immer dann, wenn irgendwelche anstrengenden Aktivitäten anstehen. Dabei ist das gar nicht gut für mich. Und was ist das Problem? Es ist meine Bequemlichkeit, mein Widerstand gegen alles, was Anstrengung, Mut und Selbstüberwindung verlangt. Kurz gesagt, es ist mein innerer Schweinehund, der mich ständig begleitet. Seitdem ich das weiß, versuche ich, etwas dagegen zu unternehmen und kämpfe mit aller Kraft gegen den verflixten Köter an.
Natürlich passt ihm das nicht und sein Selbstbewusstsein ist in letzter Zeit ein bisschen angekratzt. Deshalb muss er sich seinen Kummer von der Seele schreiben und heute hat er angefangen, seine Abenteuer mit mir in sein Tagebuch zu schreiben. Sein Name ist Lumpazi.
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